Suite101.de 02.03.2011

Trainiert man in der Schweiz anders als in Deutschland? Die Grenzgängerin Nathalie Luft kann vergleichen und berichtet über ihre eigenen Erfahrungen.

"Anfangen ist leicht - Durchhalten eine Kunst" - das ist ein Slogan mit der die Tennisspielerin Nathalie Luft ihre Webseite aufmacht. Sie hält schon lange durch und an ihrem Traum fest, sich im internationalen Tenniszirkus zu etablieren. Doch dieser Weg war bislang eher steinig als einfach und noch ist es kihr nicht gelungen für ein Ausrufezeichen in der Branche zu sorge. Sie beschreibt ihr Spiel idealerweise als "eine Art Mischung aus der Spielweise von Justine Henin und Roger Federer, welche auch meine großen Vorbilder sind." Als Allrounder sieht Luft ihre Stärken im Aufschlag, der Vorhand, den Volleys und im Rückhand-Slice. Das Trainingstalent ist nach einigen Verletzungen wieder absolut fit und sieht sich auch in der körperliche Physis vorne. Aber die junge Deutsche ist auch selbstkritisch: "Meine Schwäche ist, dass ich zu oft zu nett zu meinen Gegnerinnen bin und in der Schnellkraft habe ich auch noch einige Arbeit vor mir."
Luft hat eine Doppel-Anmeldung Schweiz und Deutschland für die ITF und WTA Turniere

Nathalie Luft wurde in Zürich geboren und hat ihre Heimat im deutsch/schweizerischen Grenzgebiet. In Süddeutschland spielt sie für die DJK Singen-Hohentwiel, der schweizer Club der 25-Jährigen ist der TC Seeburg Kreuzlingen. Nathalie Luft versucht über Auftritte bei den nationalen Turnieren in der Schweiz, Erfahrungen für die WTA zu sammeln. Daher spielt sie keine Liga und spielt die ITF Turniere die fürs WTA Ranking zählen. Das Roger Federer ein Idol für sie ist, ist verständlich, denn der Schweizer Ausnahmespieler hat einen ähnlichen Hype bei den Eidgenossen verursacht, wie ähnlich in Deutschland Boris Becker und Stefanie Graf. Da sich Luft sozusagen 'in beiden Welten' aufhält, kommentiert sie: " In gewissem Maß haben die Leute recht, seit Becker und Graf nicht mehr im Tenniszirkus sind, dreht sich das deutsche Tennis irgendwie im „Kreis“."

Die Schweiz ist auf einem guten Weg und mit ihr dann auch Nathalie Luft?

Die Tennisspielerin macht folgende Erfahrung: "In den deutschen Stützpunkten werden Becker und Graf immer in den Vordergrund gestellt und es wird ihnen oft zu sehr nachgetrauert," - das spiegelt sich natürlich auch in der öffentlichen Meinung wieder. Es scheint so zu sein, dass der einzelne Spieler nicht zwingend nach seinem Talent und Können gefördert und motiviert wird - das Gefühl kommt auf, die Deutschen warteten nur auf den nächsten Boris und die nächste Steffi. Luft beschreibt den Unterschied zur Schweiz so: "In der Schweiz erinnert man sich natürlich auch gerne an Martina Hingis, aber man spricht nicht nur über sie und ihr Tennis sondern fördert die einzelnen Talente. Man hat nicht den Anspruch an die Spielerinnen, so spielen zu müssen, wie es einst Martina Hingis tat." Die Schweizer Coaches scheinen zur Zeit viel positive Motivation und Power an ihre Schützlinge zu vermitteln. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben: Neben Hingis und Patty Schnyder gibt es Roger Federer und Stanislas Wawrinka - für die Verhältnisse in einem vergleichsweise kleinen Land ist das sehr gut. Das große Ziel von Nathalie Luft ist ein Platz unter den ersten 50 des WTA-Rankings - es ist ihr zu wünschen, dass sie Meisterin wird, nicht nur in der Kunst des 'Durchhaltens'.

Simone Kemler